Geschichte

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Gründung der MK Tschars

Franz Villgrattner ist am 19. Jänner 1867 in Tiers geboren. Sein Vater war dort Krämer und Betreiber des Gasthauses Krone; seine Mutter war Maria Ploner. Franz wuchs als einziger Sohn neben sieben Schwestern auf, und sein Hang zur Musik war schon in jugendlichen Jahren sehr ausgeprägt.
Im Herbst 1896 kam der Lehrer Franz Villgrattner nach Tschars. Er konnte die Schulstelle sei-nes Kollegen Josef Patscheider (1869-1951) aus Latsch einnehmen, der seit 1893 Lehrer und Organist war und dem Ruf als Schulleiter nach Graun folgte.
Mit der Lehrerausbildung war damals eine sehr solide musikalische Schulung verbunden.. Die Absolventen mussten ein Tasten- und ein Streichinstrument beherrschen, damit sie den Kindern eine musische Bildung vermitteln und in den Dörfern das musikalische Leben leiten konnten. Seine erste Lehrstelle trat er in Burgstall an, wo er bis 1889 lehrte und seine Frau Maria Gantha-ler kennenlernte. 1889 übersiedelte er als Lehrer nach Vöran und 1894 legte er in Bozen die “Lehrbefähigungsprüfung für allgemeine Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache” ab, um also 1896 nach Tschars zu kommen. Im Jahre 1898.hat Villgrattner Tschars wieder verlassen und ist nach Mölten gezogen, wo er bis zu seinem Tode 1921 Lehrer war. Dort aktivierte er die Musikkapelle neu und versah den Organistendienst.
In diesen zwei Jahren zwischen 1896 und 1898 ist Franz Villgrattner für Tschars zu einer bedeu-tenden Persönlichkeit geworden, weil er der Gründer der Musikkapelle ist. Sein Talent, seine solide musikalische Ausbildung und seine Lehrtätigkeit drängten geradezu danach, ein zusätzli-ches Betätigungsfeld zu finden, und so bot es sich an, eine Musikkapelle aufzubauen und die Schulungs- und Ausbildungsarbeit zu übernehmen. Die bereits in voller Blüte stehenden Musik-kapellen von Naturns und Latsch mögen gute Beispiele dafür gewesen sein. Tschars hatte da-mals bereits ein recht lebendiges Musikleben, das mit der Tätigkeit des Altlehrers Peter Martin (1815-1904) zusammenhing, der zwischen 1837 und 1890 als Mesner, Organist und Lehrer in Tschars arbeitete. Damals hatte jeder Lehrer die Verpflichtung, neben dem Schuldienst auch die Kirchenmusik zu betreiben. Martins Ruf als Orgelspieler und Chorleiter reichte weit über Tschars hinaus.
Die wichtigste Voraussetzung für das gemeinsame Musizieren ist neben Talent und Fleiß sicher die Begeisterung. Diese mußte Lehrer Villgrattner 1897 in Tschars vorgefunden oder zu wecken gewußt haben. Bei der Auswahl der Musikanten konnte er auch auf das Umfeld von Staben, Tabland, Galsaun und Kastelbell zurückgreifen.

Die Anfangsjahre

Instrumentierung

Zu den Hauptschwierigkeiten der neugegründeten Kapelle zählte die Beschaffung von Instru-menten. Dabei kam den Musikanten der günstige Umstand gelegen, dass sich in Naturns die Feuerwehrkapelle und die Privatkapelle des Geschäftsmannes Josef Zögg, zusammenge-schlossen haben. So wurden einige Instrumente überzählig, welche die Tscharser günstig er-werben konnten. Die Ausstattung der Musikkapelle erfolgte im weiteren nicht durch einen großen Ankauf, sondern über einige Jahre wurden immer wieder Gelegenheiten genutzt, um nach und nach für alle Musikanten die richtige Ausstattung zu finden. Das Beispiel des Gründungsmit-glieds und Trommlers Matthias Hell (Tabland) zeigt, dass einige Musikanten sich ihr Instrument aus Eigenmitteln angeschafft haben. Hell kaufte sich die große Trommel selber und schenkte sie später der Musikkapelle, wo sie bis 1991, also fast hundert Jahre lang, in Gebrauch stand.
Weitere Instrumente kamen aus Tabland, wo es bis um 1900 eine Musikkapelle gegeben hat. Die cirka 15 Mann gingen auseinander und die Kapelle löste sich auf.
Im Jahre 1903 konnte die instrumentale Ausstattung noch um einen Helikon-Bass und um ein Tenorhorn erweitert werden. Sie wurden von jenen Italienern erworben, die bei der Etschregulie-rung im Vinschgau beschäftigt waren.
Zu einem bedeutenden Förderer der Musikkapelle wurde dann Kooperator Josef Peer (1879-1952). Auf seine Initiative hin wurde die Kapelle mit sieben Instrumenten ausgestattet: zwei Euphonien, je ein Bass in B und F, zwei Trompeten in Es und ein B-Flügelhorn. Es wird ange-nommen, dass diese Hörner aus den Beständen des Kirchenchores gestammt haben. Aller-dings konnte die Musikkapelle das Wohlwollen von Kooperator Josef Peer nur kurz nutzen, denn nach einem Dienstjahr 1903/04 wurde der junge Kooperator aus Tschars versetzt.

Repertoire

Die ersten Musikanten mußten wohl schon musikalische Vorkenntnisse gehabt haben, die aus der Chortätigkeit des Lehrers Peter Martin gestammt haben mögen. Nur so ist es möglich, dass bereits im Juli 1897 die Musikkapelle Tschars, wahrscheinlich in einer kleineren Gruppierung, beim Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr Tabland aufspielte. Dazu schreibt die in Meran erscheinende Zeitung “Der Burggräfler” am 25. Juli 1897: “Es konzertirten drei Musikkapellen: von Tschars, Tabland und die rühmlich bekannte, tüchtig geschulte Feuerwehrmusik von Na-turns unter der Leitung des Kapellmeisters Johann Schlögl”.
Freilich muß angeführt werden, dass das Repertoire damals noch sehr bescheiden war und von den Musikanten kaum Notenkenntnisse verlangt wurden. Insgesamt haben sie in den Anfangs-jahren vielleicht ein halbes Dutzend Märsche eingelernt, die bei Notwendigkeit auch mehrmals gespielt wurden. Das Repertoire wurde damals ganz von der Militärmusik bestimmt. Das war eine Rhythmusmusik, die auf das Wohlgefallen der marschierenden Soldaten stieß.
Bedeutender als dieser erste Auftritt ist das überlieferte Gratulationsständchen von 1898 für den Tscharser Pfarrherrn Sebastian Innerhofer, der am 20. Jänner seinen Namenstag feierte. Es war in der Tat für die Musikkapellen förderlich, wenn die Pfarrherren auch jene Musik, die abseits von der Kirchenmusik in den Dörfern existierte, mit Wohlwollen betrachteten. Davon hingen Ge-deih oder Verderb eines Vereines ab. Nicht selten wurden mit der weltlichen Musik Lustbarkeiten und ausgelassene Feiern verbunden, und deswegen fanden die gestrengen Pfarrer und kirchli-chen Obrigkeiten immer wieder einen Anlaß, um über das reine Seelenleben der Pfarrkinder besorgt zu sein. Aus diesem Grund war es dienlich, mit dem Pfarrer ein gutes Verhältnis zu pflegen, was in Tschars mit Pfarrer Sebastian Innerhofer (1825-1905) halbwegs gelungen ist.

Einkleidung

Eine schwierige Angelegenheit war die Einkleidung der Musikanten. Manchmal trat die Kapelle in jener Tracht auf, die üblicherweise von allen Leuten sonntags getragen wurde. In Anlehnung an andere Vereine haben sich die Musikanten auch mit der Schützentracht ausgeholfen oder die Feuerwehruniform angezogen. Gerade um 1900 entstand in vielen Dörfern ein fruchtbares Mit-einander von Feuerwehr und Musikkapelle. Die Feuerwehr deckte das Sicherheitsbedürfnis des Dorfes und die Musikkapelle brachte Schwung, Glanz und Abwechslung in das Dorfleben. Zu-meist waren die Männer Mitglieder bei beiden Vereinen. Aus diesem Grunde wurde häufig von Feuerwehrmusikkapellen gesprochen. In dieser Form wird auch vom Auftritt der Musikkapelle Tschars zu Pfingsten 1898 berichtet, als sie gemeinsam mit jenen von Naturns und Latsch “in eifriger und anerkennenswerter Weise” (Burggräfler vom 31. Mai 1898) beim Frühlingsfest im Burganger von Latsch aufspielte.
Wenn andere Möglichkeiten zur uniformen Bekleidung nicht vorhanden waren, haben die Musi-kanten bei ihren Auftritten auch die graue Standschützenuniform angezogen.

Kapellmeister Albert Patscheider

Nach dem Gründer Franz Villgrattner ist auch der zweite Kapellmeister ein Lehrer. Patscheider, kam aus Latsch und war zwei Jahre Kapellmeister in Tschars. Das ist eine kurze Episode seines musikalisch geprägten Berufslebens, aber in Tschars hat er für die Musikkapelle nach dem Ausscheiden des Gründers Villgrattner eine erste Kontinuität geschaffen und so zum erfolgreichen Überwinden der Anfangsschwierigkeiten viel beigetragen. In seine Zeit (Juni 1899) fällt der wichtige Auftritt der Musikkapelle Tschars bei der Fahnenweihe der Freiwilligen Feuer-wehr Kastelbell.

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